13. Juni 2021, 19:00 Uhr im Haus der Kultur, Anif

„Nur wer die Sehnsucht kennt“ - Lieder von Liebe und Sehnen

von Franz Schubert, Ludwig van Beethoven und Robert Schumann

Silvia Steiner-Span
Silvia Steiner-Span – Sopran
Reinhard Mayr
Reinhard Mayr – Bass
Alessandro Misciacsi
Alessandro Misciacsi – Klavier
Julius Ockert
Julius Ockert – Klarinette

Liedprogramm:

Franz Schubert
Sieben Vertonungen aus „Wilhelm Meisters Lehrjahre“
von J. W. v. Goethe

• Der Sänger
Nur wer die Sehnsucht kennt
Wer sich der Einsamkeit ergibt
Heiss mich nicht reden
Wer nie sein Brot mit Tränen aß
So lasst mich scheinen
An die Türen will ich schleichen
Kennst du das Land

• Der Hirt auf dem Felsen - für Singstimme, Klarinette und Klavier

Ludwig van Beethoven
An die ferne Geliebte op. 98
• Auf dem Hügel sitz ich, spähend
Wo die Berge so blau
Leichte Segler in den Höhen
Diese Wolken in den Höhen
• Es kehret der Maien, es blühet die Au
Nimm sie hin denn, diese Lieder

•Wonne der Wehmut (Johann Wolfgang von Goethe)


Robert Schumann
• So wahr die Sonne scheinet
Wenn ich ein Vöglein wär


Zwei rätselhafte Figuren leiten durch den 1. Teil des Abends: Ein greiser, harfenspielender Sänger und ein junges Mädchen in Knabenkleidern, eine androgyne Erscheinung, genannt „Mignon“ („Herzchen“/„Liebchen“), Figuren aus Goethes Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“. In ihren Liedern deutet Mignon verklausuliert ihr Schicksal an: Sie entstammt einer inzestuösen Verbindung des Harfners mit seiner Schwester Sperata, die nicht wussten, dass sie Geschwister waren. Als sie es erfuhren, starb Sperata am Wahnsinn, der Harfner zieht seither verzweifelt als fahrender Sänger umher. Mignon wurde als Kind von einer Seiltänzergruppe entführt. Als Wilhelm Meister sieht, wie sie geschlagen wird, kauft er sie frei. Letztlich stirbt Mignon an ihrer unerfüllten kindlichen Liebe zu Wilhelm.

Die Ballade „Der Sänger“ trägt der Harfner bei seinem ersten Auftreten im Roman vor. Schubert lässt auf ein Klaviervorspiel, das die Arpeggi der Harfe nachahmt, Ritornell-Teile, Rezitative und Gesangspassagen folgen.
In ihrem Lied „Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide“ offenbart sich Mignons ganzes Wesen.

Der Harfner sieht die Erlösung von seinen Qualen erst im Grab: „Wer sich der Einsamkeit ergibt“ steht, wie die folgenden Harfner-Gesänge auch, in dunklem Moll.
„Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen“ bezieht sich auf Mignons Schwur, nichts von ihrer Herkunft erzählen zu dürfen.

„Wer nie sein Brot mit Tränen aß“ führt den Harfner zu der Erkenntnis: „Denn alle Schuld rächt sich auf Erden“.

Das Lied „So lasst mich scheinen, bis ich werde“ singt Mignon im Roman, als sie in einem Engelskostüm auftritt. Sie sieht sich selbst als Engel und ahnt ihren frühen Tod voraus.

„An die Türen will ich schleichen“ beschreibt das Umherirren des Harfners als bettelnder Sänger.

In „Kennst du das Land“ schildert Mignon ihre unstillbare Sehnsucht nach ihrem Heimatland Italien. Psychologisierend deutet sie gleichzeitig ihre Liebe zu Wilhelm an („Dahin lass uns, o mein Geliebter, ziehn!“), wie auch ihre Vorgeschichte („Was hat man dir, du armes Kind, getan?“).

„Der Hirt auf dem Felsen“ mit konzertierender Klarinette stammt aus Schuberts letztem Lebensjahr und ist auf Anregung der Sängerin Anna Milder entstanden. Schubert kam darin ihrem Wunsch nach, eine Komposition zu schaffen, die gleichermaßen Brillanz, verschiedene Zeitmaße und „mehrere Empfindungen“ enthalte. Um dies zu erreichen, verwendete Schubert einmalig in seinem Schaffen Bruchstücke aus drei verschiedenen Gedichten: Teile aus Wilhelm Müllers „Der Berghirt“ und „Liebesgedanken“, sowie im Mittelteil zwei Strophen eines nichteindeutig zuordenbaren Gedichtes.

Kernstück des Abends bildet Beethovens Liederkreis „An die ferne Geliebte“. Auf den Text eines jungen Arztes, Alois Jeitteles, komponiert, dem Beethoven für dessen erfolgreiche Bekämpfung einer Seuche Anerkennung zollte, verhalf er diesem damit zu unsterblichem Ruhm. Die sechs Gedichte variieren schwärmerisch das Thema der Liebessehnsucht, wobei Beethoven die Einzellieder zu einem durchmusizierten Ganzen verschmilzt. Der Liebende beneidet Winde und Wolken, die zu der Geliebten ziehen können, er möchte ihr Vögel als Boten senden und widmet ihr die Lieder, damit sie sie ebenfalls singe und so mit ihm vereint sei.

Die weibliche Antwort darauf ist an unserem Abend jedoch die Klage über eine unglückliche Liebe: Auf die Seufzer der Singstimme reagiert das Klavier in Beethovens „Wonne der Wehmut“ klangmalerisch mit Tränen-Staccati. Am Ende steigert sich der Gesang zu einem schmerzlichen Aufschwung, um dann kraftlos hinunterzusinken. Das Tränenmotiv des Klaviers klingt nach.

„So wahr die Sonne scheinet“ und „Wenn ich ein Vöglein wär“, zwei schlichte, naiv-sehnsuchtsvolle Duette von Robert Schumann, beschließen den Abend.


Biografien der Künstler:

Silvia Steiner Span wurde in Innsbruck geboren. Nach ersten Klavierstudien am Konservatorium des Landes Tirol studierte sie Gesang an der Hochschule „Mozarteum“ und am Brucknerkonservatorium in Linz, wo sie ihr künstlerisches Diplom mit Auszeichnung erwarb. Wichtige Impulse erhielt sie in Meisterkursen mit Künstlern wie Jessica Cash, Edith Mathis, Kurt Widmer, Brigitte Fassbaender, Margarita Lilova und durch das langjährige Coaching von Dale Fundling. Sie wirkte immer wieder in Musiktheater-Produktionen in Deutschland und Österreich mit und gibt Lieder- und Arienabende. Ein Schwerpunkt gilt der sakralen Musik. So hat sie u. a. sämtliche Messen von W. A. Mozart, J. Haydn und F. Schubert, wie auch alle weiteren kirchenmusikalischen Werke von W. A. Mozart gesungen. Die Solopartien der großen Werke der Oratorienliteratur wie der Passionen Bachs, Händels „Messiah“, Mozarts Requiem und c-moll-Messe, Haydns „Schöpfung“, Mendelssohns 2. Sinfonie („Lobgesang“) sang sie u. a. in Salzburg (Großer Saal des Mozarteums), München, Neapel (Auditorio della RAI) und Zürich.


REINHARD MAYR wurde in Grieskirchen in Oberösterreich geboren.
Seine Ausbildung zum Sänger begann er beim Bassisten Franz Kalchmair, setzte sie am Anton Bruckner Konservatorium in Linz fort, wechselte an die Musikakademie der Stadt Basel zu Kurt Widmer und schließlich zu Robert Holl an die Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Diese drei Sänger und Lehrer prägten Reinhard Mayr in den unterschiedlichen Phasen seines Werdegangs und weckten in ihm nachhaltig eine große Leidenschaft für den Lied- und Konzertgesang.
Nicht minder aber war von jeher sein Interesse an der Oper und so begab sich der Bassist unmittelbar nach seinem Studium ins feste Opernengagement, zuerst an der Volksoper Wien, debütierte kurz darauf an der Wiener Staatsoper und wechselte im Jahr 2000 ans Opernhaus Zürich, wo er für 16 Spielzeiten Ensemblemitglied blieb.
Neben der Oper aber widmet sich der Sänger stets intensiv dem Lied und Oratorium. Vor allem die geistliche Barockmusik sowie das Liedschaffen Franz Schuberts zählen zu seinen besonderen Vorlieben.
Seit vielen Jahren musiziert Reinhard Mayr regelmäßig mit verschiedenen Barockensembles, wie Thomas Hengelbrocks Balthasar Neumann Ensemble, dem L'Orfeo Barockorchester oder dem Ensemble ColCanto, mit dem 2015 auch eine CD mit geistlichen Solokantaten entstand.


ALESSANDRO MISCIASCI wurde in Catania (Italien) geboren. Er studierte Klavier am Konservatorium „A.Steffani“ in Castelfranco Veneto. 1985 lernte er im Rahmen der Sommerakademie in Salzburg Paul Schilhawsky kennen, der ihn 1986 als Liedbegleiter an die Universität Mozarteum brachte. Seitdem ist er dort als Korrepetitor tätig. 1986 gewann er den dritten Preis beim ersten internationalen Wettbewerb für Liedbegleitung in Den Haag. Er hat zahlreiche Kurse bekannter Opernsänger begleitet, darunter Josef Greindl und Elisabeth Schwarzkopf. Seine Tätigkeit als Liedbegleiter hat ihn in viele Länder Europas und Asiens geführt. Darüber hinaus hat er als musikalischer Assistent bei mehreren Produktionen der Salzburger Festspiele mitgewirkt, u.a. „La clemenza di Tito“ mit Nikolaus Harnoncourt (2003), „Die Zauberflöte“(2005), „Otello“ (2008) , "Macbeth" (2011) , „Aida“ (2017) mit Riccardo Muti, „Falstaff“(2013) mit Zubin Mehta, „Il trovatore“ (2014/15) mit Daniele Gatti und Gianandrea Noseda, „Tosca“ (2018) mit Christian Thielemann.


JULIUS OCKERT, geboren 1995 in Berlin, erhielt ab 2011 Klarinettenunterricht bei Walter Hermann in Hamburg. Nach dem Abitur im Jahr 2014 begann er sein Studium bei Prof. Thorsten Johanns an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar und wechselte 2017 an die Universität Mozarteum Salzburg in die Klasse von Univ.Prof. Mag. Andreas Schablas.
Erste professionelle Orchestererfahrungen sammelte Julius Ockert bei den Nürnberger Symphonikern und der Camerata Salzburg.
Er erspielte sich im Oktober 2018 einen 3. Preis beim 1. Internationalen Franz-Cibulka-Wettbewerb in Graz. Seit Februar 2019 ist Julius Ockert Mitglied der Orchesterakademie im Bayerischen Staatsorchester in München und wird im September 2021 die Stelle als Soloklarinettist im Staatsorchester Kassel antreten.


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